Staffel 3 Folge 1 (21) - Ein Kaffee mit Caterina und Anne...
Shownotes
Warum wird jemand eigentlich Proktologin? Genauer gesagt: Wie kommt man auf die Idee, sich beruflich mit dem Po zu beschäftigen? Mit dieser Folge startet nicht nur Staffel 3 von „Apropos Po“, sondern auch eine neue Art von Folgen innerhalb des Podcasts: längere Gespräche und Interviews mit ganz unterschiedlichen Menschen rund um Po, Darm, Beckenboden, Sexualität, Medizin, Körper und Menschsein. Sie werden ab jetzt immer mal wieder eingestreut, vor allem zwischen den Staffeln. Zum Auftakt wird Caterina selbst befragt: Warum bist du eigentlich Proktologin geworden? Es geht um den Weg in die Medizin, um Chirurgie, eine prägende Zeit in Indien – und darum, warum aus ein paar Wochen „mehr Po lernen“ schließlich ein Herzensthema wurde. Schnell wird klar: Proktologie ist eben nicht nur „Hämorrhoiden“, sondern ein unglaublich vielschichtiges Gebiet voller Medizin, Scham, Nervensystem, Sexualität und Zwischenmenschlichkeit.
Heute geht’s unter anderem um: • Warum Caterina Ärztin - und Chirurgin wurde • Wie ein Aufenthalt in Indien sie Richtung Proktologie geführt hat • Warum das Fachgebiet viel größer ist als viele denken • Weshalb Scham und Menschlichkeit dort eine große Rolle spielen • Warum Gesundheitsaufklärung und Wissensvermittlung ihr heute so wichtig sind • Und warum der Po eigentlich ein völlig unterschätzter Körperbereich ist
💬 Spoiler: Hinter der Proktologie steckt so viel mehr als nur „der Po“ im medizinischen Sinne. Das Buch, das Caterina früher rund um Psychosomatik inspiriert hat Oliver Sacks: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte https://www.rowohlt.de/buch/oliver-sacks-der-mann-der-seine-frau-mit-einem-hut-verwechselte-9783499155540
❓ Fragen, eigene Erfahrungen oder Themenwünsche? 📩 Schreib an: schreibmir@apropos-po.de 👉 @apropos.po für mehr Infos rund um Po, Darm, Beckenboden und Sexualität
Transkript anzeigen
00:00:00: Staffel drei, Folge eins.
00:00:04: Ein Café mit Katharina und Anne oder warum ich Proktologin geworden bin?
00:00:11: Hallo und herzlich willkommen zur dritten Staffel von apropos der Podcast rund um den Allerwertesten!
00:00:17: Ich bin's wieder, Katharina, Proktologe aus Leidenschaft.
00:00:21: auch in dieser Staffel möchte ich euch wieder ganz viel rund um unser aller Hinterteile erzählen ob ihr das erste mal rein hört oder schon treue Po-Freunde seid.
00:00:29: Ich freue mich auf jeden Fall sehr dass ihr dabei seid.
00:00:32: Ja und auch ich bin wieder dabei, Anne.
00:00:34: Ich freue mich sehr auf die neuen Folgen und bin schon ganz gespannt auf alles was wir in den nächsten Wochen hier lernen werden.
00:00:42: ja und bevor wir in Folge eins der dritten Staffel rein starten magst du unseren Disclaimer erst noch vorwegschieben.
00:00:52: Ja,
00:00:53: der muss ja sein!
00:00:54: Also dieser Podcast dient der Gesundheitsaufklärung und Wissensvermittlung.
00:00:58: er ersetzt keinerlei ärztliche Vorstellungen, Untersuchungen und Behandlungen.
00:01:02: Und dann wie immer die Einladung auch noch an euch.
00:01:05: schreibt eure Fragen oder Kommentare gerne auf Instagram an et apropo.po oder per E-Mail unterschreib mir at apropominus po.de.
00:01:13: natürlich verlinken wir das wie immer in den Shownote und alles bleibt vertraulich.
00:01:18: so Anna Du hast das Wort!
00:01:20: Ja, herzlich willkommen zu dieser ersten Folge unserer dritten Staffel.
00:01:24: Heute werdet ihr eine erste Interviewfolge hören.
00:01:29: Solche Folgen haben wir vorher bei diesem Podcast noch nicht gehabt.
00:01:33: Diese soll es aber in Zukunft häufiger gegeben.
00:01:35: und zwar wird Katharina sich Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Proktologie und angrenzende Fachgebiete einladen.
00:01:44: Und hier vorstellen mit ihnen einen Dialog gehen,
00:01:47: noch viel mehr sogar weil eigentlich nicht das eine Einschränkung und eigentlich auch geht es tatsächlich nicht nur um Expertinnen oder Experten sondern um alle Menschen die irgendwie was mit dem Hinterteil zu tun haben Und das kann auch ein Tänzer, eine Tänzerin sein oder ja.
00:02:06: Jedenfalls es gibt viele Menschen die damit zu tun haben in ihrem Leben und ihren beruflichen Alltag.
00:02:11: ihr werdet schon sehen!
00:02:13: Ja ich bin gespannt wie dieses Format bei euch ankommt.
00:02:17: wenn ihr am Ende dieser Folge Feedback für uns habt schreibt uns auch das sehr gerne.
00:02:22: wir würden uns sehr darüber freuen.
00:02:24: Katharina ja heute solls darum gehen warum du eigentlich Proktologin geworden bist Und ich denke an dieser Stelle, das wissen alle du bist Medizinerin.
00:02:38: Warum hast Du Dich eigentlich damals für's Medizinstudium entschieden?
00:02:43: Also fürs Medizinstudium habe ich mich entschieden im Grunde genommen weil das war was die meisten meiner Interessensgebiete so ein bisschen zusammengebracht hat, vereint hat.
00:02:56: Ich mochte zum Beispiel total gern Sprachen und ich habe mir gedacht, kranke Menschen gibt es überall auf der Welt.
00:03:02: Und ich mochte gerne Biologie zu sehen und der Körper des Menschen.
00:03:06: Das ist einfach ein super faszinierendes Thema wie alles so total gut zusammenarbeitet und das sieht man ja jetzt auch wieder im Po-Gebiet.
00:03:17: aber insgesamt eben auch Ich mag Menschen und dann war dieses Helfenwollen in Anführungszeichen, was ja ich glaube die allermeisten Menschen im medizinischen Bereich zumindest irgendwie auch haben.
00:03:33: Was ihr antreibt.
00:03:34: also es hat viele Dinge vereint mehr als andere Sachen, die ich auch interessant gefunden hätte.
00:03:40: Und so wurde's dann die Medizin.
00:03:42: und Dann nehme ich an hast du dich auf einen Studienplatz beworben.
00:03:48: Und nun weiß man, das Studium dauert lange und ab irgendeinem Punkt muss man sich ja entscheiden in irgendeine Richtung zu gehen.
00:03:56: War da schon die Proktologie?
00:03:59: Nein!
00:04:00: Tatsächlich hatte ich noch nie von der Proktologie gehört – auch ich, kaum zu glauben, habe damals nicht wirklich jemals an meinen Hintern gedacht.
00:04:08: Also ursprünglich habe ich vielleicht so ein bisschen die Überleitung zur Frage von davor Ich habe angefangen Medizin zu studieren, weil ich Rechtsmedizin machen wollte.
00:04:23: Und zwar hatte ich so eine alte Serie aus den Sechzigern... Die war damals übrigens auch schon in Wiederholung, so alt bin ich nicht!
00:04:31: Ja, ich hab zu viel Quincy geguckt und ich fand das total spannend.
00:04:35: Falls ihr das nicht kennt könnt ihr mal recherchieren.
00:04:38: völlig unrealistisch auf jeden Fall.
00:04:40: Aber ich fand es total spannend und das war zu dem Zeitpunkt tatsächlich, was auch noch mit den Ausschlag gegeben hat dass ich Medizin studiere weil ich dann Rechtsmedizin machen wollte.
00:04:51: Nun hast du kein Rechtsmedizin gemacht?
00:04:53: Das können wir schon mal vorweggeschieben, weil dann würden wir heute einen Toolcrime Podcast machen und keinen Po-Podcast.
00:04:59: Auf alle Fälle!
00:05:00: Wie ging's dann weiter?
00:05:02: Ja,
00:05:02: dann studiert man ja erstmal sozusagen ganz normal Medizin Und letztendlich geht es dann an die Facharzt-Weiterbildung, die man sich aussucht.
00:05:12: Auch da haben mich ganz unterschiedliche Dinge interessiert, also die wirklich sehr weit voneinander entfernt liegen.
00:05:20: Zum Beispiel Dermatologie und Hauterkrankungen hätte ich spannend gefunden.
00:05:23: Da gibt's superinteressante Sachen.
00:05:25: aber irgendwie fehlte mir zu der damaligen Zeit ein bisschen banal formuliert.
00:05:31: Cortisonseibe oder Seiber ohne Cortison?
00:05:33: Es war nicht so langweilig!
00:05:35: Also es fehlte mir was Manuelles, also was zu machen richtig.
00:05:40: Was
00:05:41: für
00:05:41: die Hände?
00:05:42: Du bist dann nicht in die Dermatologie gegangen weil du eher was Handfestes haben wolltest, um deine Hände zu beschäftigen.
00:05:50: wie ging's weiter und wie war deine Überlegung?
00:05:55: Ja auch nicht wirklich, ich sag mal Handfest ist in dem Sinne nicht so zumindest Psychologie.
00:06:00: Ich fand doch allgemein Medizin total spannend einfach weil das so umfassend ist.
00:06:04: Ich fand Psychosomatik total interessant, das ist auch nichts Handfestes zu tun.
00:06:11: Gleichzeitig ist es eben auch einfach superinteressant... ich habe früher so ein Buch gelesen, schon Uhrzeiten her von einem Neurologen der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte und da wurden Fallgeschichten besprochen oder erzählt auf eine sehr nette Weise und es ist einfach unglaublich was ja ... man im Körper sieht, was aber ursächlich nicht vom Körper her kommt.
00:06:36: Aber auch da fehlte mir so ein bisschen etwas Greifbares damals zumindest.
00:06:40: Gleichzeitig hat mich die Psychosomatik und das Nervensystem, das habt ihr vielleicht schon mitbekommen über die Folgen hinweg doch sehr beeinflusst und ich finde es sehr wichtig.
00:06:49: Ja und letztlich wollte ich dann plastisch rekonstruktive Chirurgie machen.
00:06:53: Was genau heißt das?
00:06:56: Schönheits-OPs zu tun hat oder eher so Unfallopfer wieder herstellen?
00:07:01: Ja, also das war eher das was mich interessiert hat.
00:07:03: In der Tat ist es der gleiche Facharzt dass man auch die ästhetischen Eingriffe da zumindest zum Teil lernt und mir ging's aber eher um Rekonstruktive und Operationen.
00:07:18: Und dann bin ich aber, weil ich auch wichtig fand.
00:07:21: Weil auch da hat man ja ganz normale Menschen, die man behandelt.
00:07:24: Die haben auch mal ein Problem am Bauch oder sonst wo.
00:07:28: Da habe ich gedacht als Basis finde ich auf jeden Fall wichtig einen Bauch richtig beurteilen zu können.
00:07:33: Der Bauch als der Ort, wo die ganzen Organe und Arzt sind?
00:07:36: Ja
00:07:36: genau.
00:07:38: Auch damals tatsächlich noch eher körperlich gedacht.
00:07:42: Also schon ganzheitlich im Sinne von die Menschen sind trotzdem komplett, wenn sie auf einer Station im Krankenhaus liegen und haben dann nicht nur die Lappen-Rekonstruktion.
00:07:52: Aber tatsächlich ja noch nicht so komplex gedacht wie jetzt muss ich ehrlich sein.
00:07:58: Ja oder hast dich dann schlussendlich für die Chirurgie entschieden?
00:08:03: Richtig!
00:08:03: Sagen wir so... Ich bin ein bisschen bei den Bäuchen hängen geblieben.
00:08:06: Ich habe dann in der Umfeldchirurgien angefangen und habe auch ziemlich viel unfalltyrogisches gemacht.
00:08:12: Und letztendlich bin ich bei den Bäuchen hängen geblieben in der Bauchchirurgie, eine allgemeinen Chirurgien ... Den Facharzt hab' ich dann extra gemacht weil ich eben nicht nur bauchwisteral chirurgisch gearbeitet habe sondern eben auch viel unfallchirugisch vorher und irgendwie wollte ich das nicht so weglassen.
00:08:28: deswegen die allgemeine Chirurgie und ja war das einfach Spann ich fasziniert.
00:08:37: Und jetzt ist aus meiner Perspektive der Weg vom Bauch zum Po nicht soweit, aber bei dir war es nicht so geradlinig, würde ich sagen?
00:08:45: Nein, da darf ich ja auch nicht ganz geradlitisch, vielleicht kann man das als Bücher in der Tat.
00:08:50: Also wir haben in dem Krankenhaus, an dem ich gearbeitet habe damals, haben wir selber in der Abteilung nicht so viele Patienten mit Po-Problemen behandelt, weil nicht weit weg ein Krankenhaus aus dem gleichen Krankenhaus verbunden war.
00:09:04: Was darauf spezialisierter war.
00:09:07: und ja deswegen wenn mal jemand mit Hämorrhidenproblemen kam oder so dann hat das der Oberheits gemacht oder es war halt auch wirklich selten.
00:09:14: und auch dass wir reden ja das ist ja alle schon lange her.
00:09:17: da war die Proktologie wie sie jetzt ist auch in der Tat noch gar nicht so ausdifferenziert.
00:09:24: Ja, das hat sich wirklich in den letzten zwanzig-fünfundzwanzig Jahren immer weiter ausgebildet was ich persönlich sehr schön finde weil die Probleme gab es früher auch Die haben nur nicht so viele Menschen so richtig wahrgenommen Weil da wurde auch noch weniger darüber gesprochen.
00:09:37: also auch In der Chirurgie zum Beispiel war Proktologie-Hemoriden Also nicht anders als jetzt sozusagen in der allgemeinen Bevölkerung.
00:09:47: Aber Ja, also auf jeden Fall habe ich da nicht so viel Kontakt mit gehabt muss man sagen.
00:09:52: Natürlich mit dem Darm schon, mit dem Enddarm aber eher auf anderer Basis.
00:09:58: und wie genau bist du dann zur Proktologie gekommen?
00:10:03: Das war tatsächlich über einen großen Umweg der führte nach Indien.
00:10:06: Ja
00:10:07: das ist ein großer Umweg!
00:10:09: Insofern hast du recht.
00:10:12: Scherz beiseite, aber es war.
00:10:15: letztendlich war ich nach meinem Facharzt für zwei Monate in Indien, in Bihar.
00:10:21: In einer der ärmsten Regionen Indiens und hab da einen Krankenhaus gearbeitet.
00:10:27: Da war manchmal ein Chirurg, also einer, der da arbeitete.
00:10:30: Manchmal war er nicht da.
00:10:31: Wenn er da war hat er die Sprechblende gemacht weil ich kein Hindi sprach und das mit den Übersetzungen auf Englisch sehr schwierig war je nachdem welche Pflegekraft da war.
00:10:42: wenn sie konnten besser oder schlechter Englische Ja, so war das total praktisch.
00:10:45: Dass er dann die Sprechstunde gemacht hat und die Leute kamen halt nicht zu OP sowie hier nach einem fixem Plan zu einer fixen Zeit sondern es war immer ein bisschen kommen sie oder kommen sie nicht.
00:10:57: Und auf jeden Fall habe ich dann die Operation gemacht bis dann eines Tages Ein junger Mann Mitte zwanzig erschienen und dicke dicke fette Hämoriden hatte, die operiert werden sollten.
00:11:09: Also das erste Mal wirklich Hämorrhiden.
00:11:12: Ja, das waren wirklich, wirklich dicke Klunker und das Problem war die Übersicht da war schlecht mit dem Material von da.
00:11:20: ich hatte ja sagen wir mal sehr wenig Erfahrung damit.
00:11:24: also theoretisch wusste ich das und ich hatte auch schonmal so eine OP gemacht aber die Über Sicht war deutlich besser weil es eben nicht so riesige Klonker waren.
00:11:33: ja und dann saß ich da und irgendwie dachte ich so verdammt dass ein junger Mann den Schließmuskelverletze ist das nicht so gut für den Rest des Lebens.
00:11:42: Und ich dachte, also auch krass eigentlich, dass ich dachte es ein junger Mann wenn's einen alter Mann gewesen wäre wärs halt auch schlecht gewesen.
00:11:48: aber naja jedenfalls war das so wie es war und dann habe ich den Chirurgen der an dem Tag Gott sei Dank da war gebeten die OP zu machen und ich hab mir gedacht ja ich glaube ich sollte mich nochmal um Post kümmern und da zumindest also wenn ich mich Chirurgien nenne mindestens auch ein bisschen mehr Ahnung da von der Region haben, so war das.
00:12:11: Und du bist zurückgekommen nach Deutschland und hast nun diese Erfahrung gehabt und dir gedacht okay ich möchte mich da vielleicht ein bisschen eher mit beschäftigen.
00:12:20: wie ging es weiter als du zurück in Deutschland warst?
00:12:24: Ja also nach ein paar Wochen nachdem ich wieder da war bin ich dann zu meinem damaligen Chef gegangen und habe ihn gebeten dass ich rotieren kann in das andere Krankenhaus, weil der gleiche Krankenhaus verbund.
00:12:35: Und dann haben die beiden Chefs miteinander gesprochen und zu meiner Überraschung – weil ich dachte so an zwei drei Wochen – sagt er dann ja du gehst rüber für drei Monate und ich so was soll ich denn drei Monate am allerwertesten?
00:12:55: Ja gesagt getan!
00:12:57: Ich war dann in der anderen Abteilung
00:13:01: Und dann, nehm ich an, hast du dich wahrscheinlich mit den ganzen Themen zum ersten Mal beschäftigt.
00:13:08: Die heute zu deinem Standardreportschwagel hören?
00:13:10: Ja,
00:13:10: ich gebe zu das ist tatsächlich so gewesen weil ja also Ich habe bis dahin auch nicht wirklich nicht so viel an dem Po gedacht
00:13:18: und Du hast Dich nachdem Du Dann Nicht nur zwei drei Wochen dort warst sondern mindestens drei Monate Offensichtlich dazu entschieden Proktologen Zu werden
00:13:29: Ja, und zwar also was ich wirklich nicht wusste bis zu der damaligen... Also auch noch nicht am Anfang als ich angefangen habe.
00:13:37: Ich wusste nicht dass es eine Zusatzweiterbildung überhaupt gibt in Deutschland.
00:13:41: Was ich aber gemerkt hab ist, also ich hatte das Glück, dass ich in einer wirklich guten Abteilung gelernet bin unter das da lernen durfte und dass sich auch viel machen durfte.
00:13:49: ja und es hat echt Spaß gemacht weil vieles neu war so und ich habe auch ziemlich schnell verstanden dass es um viel mehr geht als um den After und den Timoriden.
00:14:01: Und alles im medizinischen Sinne, sondern dass es auch sehr viel um Zwischenmenschliches geht und ja tatsächlich das da viel Scham ist, viel Angst ist und dass das Nervensystem eine große Rolle spielt.
00:14:12: und das hat mich halt angesprochen weil ich diese Komplexität so wichtig fand.
00:14:17: und Ja, ich hatte ja vorher schon gesagt Psychosomatik und so.
00:14:21: also es hat mich auf jeden Fall im gesamten angesprochen.
00:14:24: Und auch, dass da halt tatsächlich ein hoher Leidensdruck besteht und die Leute eben lange nicht zum Arzt gehen.
00:14:30: Weil sie nicht wissen und weil sie sich trauen darüber zu reden und weil es ihnen peinlich ist usw.
00:14:36: Also in jedem Fall braucht's einen sensiblen Umgang und dieser empathische und eben auch dieser ganzheitliche Umgang mit Menschen war mir halt immer wichtig.
00:14:45: Und dann kam der Moment wo du dich entschieden hast diese Zusatzausbildung zu machen?
00:14:51: Ja, der kam letztendlich sozusagen im Prozess.
00:14:55: Irgendwann waren ja schon mal zwei Monate oben und dann stellt man sich die Frage, gehst du zurück und so weiter?
00:15:01: Und dann habe ich halt in diesem Zeitraum erfahren, dass mein damaliger... Ich sage mal erster Popo-Chef war einer der wenigen Menschen, der damals die Weiterbildungsermächtigung hatte für diese Zusatzweiterbildung.
00:15:16: Proktologie.
00:15:18: Und weil ich das eben tatsächlich im Gesamten der Spannend fand und außerdem gesehen habe, dass die vermeintlich kleine Proktologie, Hemorrhiden gar nicht so klein ist.
00:15:29: Sondern dass es da um super viel anderes noch geht ja?
00:15:32: Alles was ihr habt schon vielleicht mitbekommen.
00:15:35: wir sprechen aber ganz verschiedene Themen über Senkung, über geschlechtsübertragbare Erkrankungen künstlichen Damausgang über chronisch-hensündliche Darmerkrankungen, überhaupt Probleme im Progebiet.
00:15:45: Über chronische Schmerzen, über eine Dusttabu im Tabu die Studienkontinenten.
00:15:50: Das ist ein superweites Gebiet wenn man einmal genau guckt und auch wie das ganze unseren Alltag beeinflusst, möchte ich mal sagen.
00:16:01: Und mit unserem Alltag meine ich auch die Beziehungen Sexualität.
00:16:05: Das war mir natürlich damals in dieser Tiefe wie es mir heute klar ist.
00:16:09: Natürlich noch nicht ganz klar.
00:16:10: aber ich habe schon gemerkt dass das ein im Grunde genommen riesiges Feld ist so allumfassend.
00:16:16: und dann hatte ich eben das Glück in dieser Teilung sein zu dürfen Mit diesem Chef der die Weiterbildungsermächtigung damals hatte was eben selten war Ja, und dann hab ich gedacht.
00:16:27: Dann mach' ich das doch mal!
00:16:30: Also der Po nicht nur als Zentrum unseres Körpers sondern auch irgendwie so ein bisschen als Zentrum deiner ganzen Medizinerkarriere Kann man das vielleicht zu sagen?
00:16:42: Das ist auf jeden Fall irgendwie ein bisschen draus geworden würde ich eindeutig so sagen.
00:16:47: Ich
00:16:48: finde es weiterhin super spannend.
00:16:50: Was konkret musstest du denn jetzt machen um... Proktologin zu werden, um diese Zusatzausbildung zu bekommen.
00:16:58: Ja ich glaube so ein bisschen haben wir schon mal... was ist eigentlich eine Proktologe?
00:17:01: In der Folge da habe ich es schon mal angedeutet nicht jeder Proktologen macht das gleiche weil dass er eine Zusatzweiterbildung ist und
00:17:11: du hast Chirurgien Genau!
00:17:12: Wir haben alle einen Facharzt vorher Und das kann in dem Bereich von Proktologie zum Beispiel auch Haut.
00:17:20: Also können Hautärzte machen, also Dermatologie oder beispielsweise Gastrointrologen und natürlich haben die eine andere Vorerfahrung.
00:17:27: Und wenn ich jetzt als Hautarzt-Proktologin werde mache ich keine Beckenboden-OPs zum Beispiel.
00:17:34: Man hat so eine andere Sichtweise auch auf Dinge.
00:17:37: deswegen ist das tatsächlich was verwirrend für euch da draußen, das weiß ich.
00:17:42: aber das ist tatsächlich die Erklärung dafür.
00:17:44: Und man hat halt ein Jahr die Zusatzweiterbildung.
00:17:47: In der Zeit muss man natürlich bestimmte Dinge, so einen Katalog erfüllen, bestimmte Eingriffe machen
00:17:53: etc.,
00:17:53: pp.
00:17:54: und man muss eine Prüfung machen bei der Ärztekammer.
00:17:57: Dann ist man formal Proktologe-Proktologin aber ich sage es nochmal mit unterschiedlichem Hintergrund letztendlich.
00:18:05: Du hast diese Prüfungen bestanden, hast auch viele Jahre in der Proktologie gearbeitet.
00:18:13: Das weiß ich nun als deine Podcast-Partnerin und Freunde.
00:18:18: Bist du ja auch quasi viel größer unterwegs?
00:18:22: Hast dich der Proktologie im großen Maßstab allumfassend umschrie, äh ... quasi angenommen?
00:18:32: Ich weiß auch, dass du noch weitere Zusatzausbildung gemacht hast.
00:18:37: Magst du vielleicht noch davon erzählen, weil ich es ... sehr spannend finde und vielleicht unsere Zuhörerinnen auch.
00:18:43: Ja, du meinst auch wie das so zusammenkommt glaube
00:18:45: ich.
00:18:48: Also in der Tat die habe ich natürlich zum Teil vorher gemacht eine Zusatznotfallmedizin und ja ich hab auch gemacht palliativ Medizin war sich das super wichtig fand auch im ganzheitlichen.
00:19:00: Natürlich haben wir auch in der Chirurgischen Abteilung krebskranke Menschen behandelt usw.
00:19:07: Psychoankologie habe ich ne Weiterbildung gemacht.
00:19:10: Also weil mir immer schon der Mensch als ganz wichtig war.
00:19:13: Gleichzeitig habe ich dann im Nachgang auch noch ein therapeutische Weiterbildung gemacht mit so medik Experienzingen, wobei da hab' ich nie die Prüfung abgelegt also bin ich da vor mal kein Practitioner und nahm das sind tatsächliche körpertherapeutische, schrägstrich traumatherapeutisch Verfahren Schulpsychologie entsprechen, weil die tatsächlich auch viel mit dem Nervensystem arbeiten.
00:19:39: Weil das einfach für mich ein ganz zentraler Faktor ist und wie vieles in uns zusammenspielt.
00:19:46: Ja und du bist auch noch sexual?
00:19:48: Achja, das habe ich ja vergessen!
00:19:49: Ich bin doch noch Sexualmedizinin.
00:19:51: Das habe ich tatsächlich auch angeschlossen, weil natürlich kommt man auch vom Po sozusagen, mit über erstmal.
00:19:59: ursprünglich ging das über sexuell übertragbare Infektionen.
00:20:03: So als erste Schnittstelle.
00:20:05: aber ja darüber habe ich dann letztendlich die Sexualmedizin oder den Einstieg in die Sexual Medizin gefunden.
00:20:11: und auch da jedes chronische Po-Problem hat einen Einfluss auf unsere Sexualität, auf Intimität weil es gibt wirklich Menschen die intime Momente letztendlich meiden aus Angst, dass daraus mehr werden könnte im Sinne von sexuellen Kontakten und die das dann halt vermeiden.
00:20:30: Weil es ihnen peinlich wäre wenn ja weil sie Angst haben das was wehtut oder das irgendwie ein bisschen sekret abgeht oder bei Studienkontinent ist das natürlich ganz dramatisch.
00:20:43: Ja also und das hat einen Rieseneffekt auf unser ganzes Leben.
00:20:50: Und ich meine mittlerweile bist du ja wirklich nicht nur in der Praxis unterwegs, sondern auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.
00:20:59: Wie kommt das?
00:21:00: Warum machst du das?
00:21:03: Das mache ich zum einen aus dem Grund weil es ist wirklich schlimm und schade finde dass viele Menschen so viele Jahre lang leiden weil sie zum Beispiel überhaupt nicht wissen dass es uns ProktologInnen gibt und gleichzeitig besteht Zumindest ist das was, was ich auch schon damals irgendwie gespürt habe einen großen Bedarf an uns und vor allem eines ProktologInnen.
00:21:28: Ja die gab es nämlich früher noch nicht so wirklich.
00:21:30: mittlerweile sind wir Gott sei Dank mehr geworden.
00:21:32: ja aber im Grunde genommen haben wir alle ein Po und Wir können alle Probleme daran bekommen weil das eben ein ganz natürlicher Körperbereich ist.
00:21:41: Das ist so der eine Teil, also ein bisschen über Natürlichkeit sozusagen in die Thematik bringen.
00:21:46: Dass es nicht so einen Tabu oder Schamthema ist.
00:21:50: Sondern hast du was am Po?
00:21:51: Lass mich untersuchen und sag ich ja oft genug!
00:21:54: Und das andere ist, weil wirklich die allermeisten Menschen – und so ging's mir ja früher auch, weil man einfach nicht drüber spricht – die meisten Menschen denken wenn sie was am po haben dass das eine Hämorrhide ist.
00:22:06: Ja und ja, wir alle haben Hämoriden.
00:22:08: Und ja auch Probleme mit Hämorrhieden sind häufig weil häufig ist es häufig aber es gibt noch ganz viel mehr.
00:22:15: So diese Dinge.
00:22:16: und das dritte ist ich finde es wirklich eine super spannende Region Weil unser Po-Gebiet Ich sage gerne Po Gebiet weil es soviel umfasst so sehr mit uns und unserem Leben Zusammenspielt.
00:22:31: Das ist ein wirklich verschiedene Themen
00:22:35: Pro Gebiet, das schon mal ein kleiner Teaser für die nächste Folge.
00:22:39: soll es in der nächsten Folge gehen.
00:22:41: Ja genau!
00:22:42: Nämlich darum wofür das alles gut ist in unserem täglichen Leben.
00:22:45: Das sind wir ganz schön vieles.
00:22:47: ich habe noch zwei Fragen zum Abschluss.
00:22:49: ja bitte
00:22:50: Ich hab jetzt natürlich an einer Begeisterung für das Thema schon herausgehört dass du da immer noch dahinter stehst.
00:22:57: aber würdest du dich nochmal für diesen beruflichen Weg entscheiden?
00:23:02: Ja ich finde die Proktologie tatsächlich Auch wenn ich das früher nie gedacht hätte und gar nicht wusste, dass es hier gibt.
00:23:08: Ja, ich finde das tatsächlich super spannend und würde das wieder machen.
00:23:14: Und meine letzte Frage für die Menschen, die wir vielleicht jetzt begeistern und die gerade mitten im Medizinstudium stecken könnte ja sein?
00:23:22: Was würdest du angehenden Studierenden oder Medizinanraten, die sich genau dafür interessieren?
00:23:28: Für die Proktologie meinst du!
00:23:29: Puh.
00:23:32: Das ist eine gar nicht so einfache Frage, weil das ja quasi gar nicht der Facharzt ist und ich glaube tatsächlich... Also ich weiß nicht ob jemand sich im Studium schon vorstellt, dass er am Ende Proktologe-Proktologin ist aber man weiß es ja nicht jedenfalls.
00:23:47: Im Grunde geht's darum Basics richtig zu lernen.
00:23:51: Ja und ich habe ja schon gesagt Man kommt von unterschiedlichen Seiten je nachdem was man vorher natürlich gemacht hat.
00:23:56: Aber dass man wirklich Weil es so ein allumfassendes Thema, wie ich finde ist ja und Es Ist nicht nur die Hautgeschichte auch wenn man von der hautseite kommt.
00:24:07: Es ist nicht nur Wenn wir jetzt als Gastrologe Gastroontologe zum beispiel kommt Ja Nicht nur sozusagen der darmin und grundsinnliche damit sondern es ist so umfassend dass Man Auch sozusagen in dem vermeintlich kleinen Fachgebiet der Proktologie guckt Dass man über einen Tellerrand schaut.
00:24:24: das würde Ich tatsächlich empfehlen weil die Thematik eben den Menschen als Ganzen meiner Ansicht nach auf so vielfältige Weise auch betrifft.
00:24:36: Und wenn man das ernst nimmt, dann ist schon viel getan.
00:24:39: Weil es ja erst mal die Menschen kommen ganz oft mit Angst weil sie Angst haben vor der ersten Untersuchung was sie gar nicht wissen was da passiert oder weil es eben so eine Region ist, die sie ganz ehrlich die meisten Menschen zeigen ihren Anus also die Rosette Niemandem, nicht mal Partner oder Partnerin.
00:24:57: Könnte er selber überlegen, habt ihr das schon einmal gemacht?
00:24:59: Das haben die wenigsten Menschen gemacht.
00:25:01: Das heißt es ist und bleibt einfach eine sehr intime Zone Und wir sind die Menschen Ja ich würde auch da fast sagen ja fast die einzigen Die den Bereich wirklich sehen und die Menschen müssen ja blank ziehen.
00:25:15: Also nicht nur dass sie über Themen sprechen über die Sie noch nie gesprochen habe im Zweifel sondern die müssen ja auch wirklich in Echt und Wirklichkeit die Hose-und Unterhose runterziehen, weil wir müssen die Rosette sehen.
00:25:28: Und nicht nur sehen sondern im Zweifel auch mit dem Finger rein oder mit einem kleinen Gerät.
00:25:32: Das ist ein kürzester Zeit, denn sie kennen uns ja nicht.
00:25:35: Ja und da ist egal wie cool man vielleicht ist oder wie sehr man denkt das ist total natürlich.
00:25:41: ich gehe zum Ars.
00:25:42: es ist trotzdem anders Auch für Frauen, wir kennen das ja von der Günnenvorsorge.
00:25:46: Trotzdem ist auch da der Anus nochmal eine andere Geschichte.
00:25:50: Und ein Stückchen weiter,
00:25:52: ja?
00:25:52: Ja und wir sind die Menschen, die da sozusagen in kurzem Zeit wenn es da auch eine Sicherheit und Vertrauen geben müssen ist immer so ein Wort aber letztendlich wollen ja auch weil dann die Untersuchung viel entspannter ist.
00:26:07: und ja.
00:26:13: Spannend!
00:26:13: Es bleibt spannend.
00:26:14: Vielen Dank
00:26:16: für
00:26:17: Diese Folge, mir hat sie sehr viel Spaß gemacht.
00:26:19: Ich finde dieses Interviewformat neu, spannend.
00:26:24: Man kommt noch mal auf ganz andere Themen.
00:26:29: Ich würde sagen von meiner Seite aus vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
00:26:34: wie gesagt Nächste Woche
00:26:36: geht ein kleines Schritt zurück ins Polgebiet.
00:26:40: Also ihr könnt ja schon mal überlegen, wofür die Region so alles gut ist.
00:26:43: Vieles haben wir auch schon einmal im Angedeutet, so im Verlauf der Folgen falls ihr bisher die anderen auch schon gehört haben solltet.
00:26:50: Ja wir sprechen überall das wo für diese ganze Region ständig für uns da ist.
00:26:57: wenn ihr mögt Sag ich noch mal, schreib gerne für Themenwünsche, Fragen und so weiter.
00:27:01: Rund um Po, Darm, Beckenboden und auch zur Sexualität.
00:27:04: Es bleibt alles vertraulich!
00:27:06: Und natürlich auch sehr gerne euer Feedback zu dieser Folge.
00:27:09: Ach ja, du bist so gut in solchen Sachen nicht.
00:27:13: Also es bleibt nur noch zu sagen bis nächste Woche.
00:27:16: da geht's weiter im ganz normalen bisherigen Format
00:27:20: genau und bis dahin wünschen wir euch eine gute Zeit
00:27:23: eure Katharina und
00:27:24: eure Anne.
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